Tageskarte ziehen: Warum ihre Botschaft manchmal erst am Abend Sinn ergibt
Kennst du das? Du ziehst morgens eine Tageskarte, schaust sie an und denkst:
„Okay … und was soll mir das jetzt sagen?“
Genau so ging es mir vor Kurzem.
Ich ziehe gerne Karten als kleinen Impuls für meinen Tag. Nicht, weil ich glaube, dass eine Karte mir genau vorhersagen kann, was passieren wird. Für mich ist sie vielmehr eine Möglichkeit, kurz innezuhalten.
Was macht diese Botschaft gerade mit mir? Woran erinnert sie mich? Und was könnte sie mir über mich selbst zeigen?
An diesem Morgen konnte ich mit meiner Karte allerdings erst einmal herzlich wenig anfangen.
Meine erste Verbindung war die Natur
Die Karte hatte mit Tieren und dem Gefühl des Behütetseins zu tun.
Mein erster Gedanke ging tatsächlich zu einem Hund in meiner Familie. Früher hatte ich große Angst vor Hunden. Diesen Hund kenne ich allerdings, seit er klein war.
Heute ist er groß – wirklich groß. Und trotzdem ist da keine Angst mehr.
Wenn ich zur Tür hereinkomme, freut er sich, wedelt mit dem Schwanz und begrüßt mich so herzlich, dass ich manchmal selbst darüber staune, wie sehr sich mein Gefühl verändert hat.
Dann dachte ich an die Natur.
Ich liebe es, draußen zu sein. Ich liebe Vögel, Eichhörnchen, Bäume, Wald und Wasser. Diese kleinen Begegnungen in der Natur, die wir manchmal nur wahrnehmen, wenn wir nicht gedankenverloren durch den Tag hetzen.
Also dachte ich zunächst:
Vielleicht soll mich meine Tageskarte heute einfach daran erinnern, wie gut mir die Natur tut.
Ein schöner Gedanke.
Aber irgendwie hatte ich trotzdem das Gefühl, dass da noch mehr drinsteckt.
Und tatsächlich verstand ich die Karte einige Stunden später plötzlich ganz anders.
Manchmal bedeutet „behütet“ auch Loslassen
An diesem Tag stand etwas Besonderes an.
Gemeinsam mit einem sehr nahestehenden Familienmitglied schaute ich mir eine Wohnung im betreuten Wohnen noch einmal ganz in Ruhe an.
Wir waren bereits dort gewesen. Dieses Mal ging es aber nicht mehr nur darum, sich alles anzusehen.
Wir hatten einen Zollstock dabei.
Wir wollten ausmessen, planen und schauen, was wohin passen könnte. Die Küchenzeile war bereits eingebaut und wunderschön. Die Wohnung war neu und machte einen richtig guten Eindruck.
Und die Verwalterin?
Unglaublich herzlich.
Als sie sich zum Schluss verabschiedete, nahm sie mein Familienmitglied sogar in den Arm.
Und plötzlich musste ich wieder an dieses eine Wort meiner Tageskarte denken:
behütet.
Da war auf einmal ein ganz anderer Gedanke.
Vielleicht geht es beim Behüten nämlich gar nicht immer darum, dass ich jemanden behüten muss.
Vielleicht darf ich auch darauf vertrauen, dass Menschen, die ich liebe, an einem anderen Ort gut aufgehoben sein können.
Dass andere Menschen da sind.
Dass ich Verantwortung nicht immer alleine tragen muss.
Muss ich wirklich immer alles tragen?
Vielleicht kennst du das auch.
Du kümmerst dich.
Du organisierst.
Du denkst voraus.
Du möchtest, dass es allen gut geht.
Und irgendwann merkst du gar nicht mehr, wie selbstverständlich du Verantwortung übernimmst – manchmal sogar für Dinge, die eigentlich gar nicht deine Verantwortung sind.
Gerade wir Frauen haben häufig über viele Jahre gelernt, für andere mitzudenken.
Für die Kinder. Für die Eltern. Für den Partner. Für die Familie. Im Beruf sowieso.
Und wenn sich dann etwas verändert, fällt Loslassen gar nicht so leicht.
Dabei bedeutet Loslassen nicht:
„Es ist mir egal.“
Loslassen kann auch bedeuten:
„Ich liebe dich – und ich vertraue darauf, dass du deinen Weg gehen kannst.“
Was für ein Unterschied.
Und dann kam noch ein Anruf
Später an diesem Tag bekam ich einen Anruf von einem jungen Menschen aus meiner Familie.
Auch bei ihm verändert sich gerade unglaublich viel.
Neue Wohnung. Ausbildung. Neue Menschen. Mehr Verantwortung.
Es gab ein Problem mit Geld, das noch ausstand.
Und was hatte er gemacht?
Er hatte selbst bei der zuständigen Stelle angerufen und die Sache geklärt.
Ganz alleine.
Dann erzählte er mir noch etwas.
In seiner neuen Klasse hatte es eine Vorstellungsrunde gegeben. Er hatte sich eingebracht, gesprochen und offensichtlich einen richtig guten Eindruck hinterlassen.
Am Ende wurde er sogar zum Klassensprecher gewählt.
Ich war unglaublich stolz.
Und gleichzeitig musste ich wieder über meinen Tag nachdenken.
Denn auch hier zeigte sich:
Ich musste nichts regeln.
Er hatte es selbst gemacht.
Ich durfte einfach zuhören, mich mit ihm freuen und stolz sein.
Die Verbindung zwischen uns wird doch nicht kleiner, nur weil ein anderer Mensch selbstständiger wird.
Vielleicht wird sie sogar schöner.
Es kommt darauf an, was du daraus machst
Noch etwas ist mir von diesem Tag besonders im Gedächtnis geblieben.
Jemand hatte die neue Wohnung dieses jungen Menschen gesehen und war ganz erstaunt, wie schön man dort wohnen kann.
Und wir sagten sinngemäß:
Es kommt immer darauf an, was man selbst daraus macht.
Dieser Satz ist bei mir hängen geblieben.
Denn ist es nicht mit unserem Leben genauso?
Wir können nicht immer bestimmen, welche Ausgangssituation wir bekommen.
Wir können nicht verhindern, dass sich Dinge verändern.
Menschen werden älter. Kinder werden erwachsen. Beziehungen verändern sich. Berufliche Situationen verändern sich. Und manchmal verändert sich plötzlich auch das, was wir selbst vom Leben wollen.
Aber wir können entscheiden:
Was mache ich jetzt daraus?
Bleibe ich in meiner Angst?
Oder probiere ich etwas Neues?
Halte ich alles fest?
Oder beginne ich zu vertrauen?
Warte ich darauf, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt?
Oder nehme ich das, was gerade da ist, und gestalte daraus etwas, das zu mir passt?
Und dann kam spät am Abend noch eine Nachricht
Eigentlich war der Tag längst vorbei.
Dann bekam ich noch eine Nachricht von einem anderen Menschen, der mir sehr nahesteht.
Er schrieb mir, dass er bei meinem Familienmitglied geblieben sei und sich am nächsten Tag um die Dinge kümmern würde, die wir ursprünglich gemeinsam erledigen wollten.
Und dann kam ein Satz, der mich berührt hat.
Sinngemäß schrieb er:
„Komm gerne zum Frühstück, sobald du fit bist. Ich hätte dich einfach gerne dabei.“
Und plötzlich war da wieder dieses Thema.
Ich musste nichts erledigen.
Ich musste nichts organisieren.
Ich musste nicht dafür sorgen, dass etwas funktioniert.
Jemand anderes hatte bereits gesagt:
Ich mache das.
Und trotzdem war ich erwünscht.
Nicht, weil ich etwas erledigen sollte.
Sondern einfach, weil jemand mich gerne dabeihaben wollte.
Vielleicht ist das etwas, das auch du manchmal vergessen hast:
Du musst nicht immer etwas leisten, organisieren oder für andere tun, um wichtig zu sein.
Du darfst manchmal einfach da sein.
Vielleicht brauchen wir manchmal nur einen kleinen Impuls
Am Morgen hätte ich niemals gedacht, dass mich meine Tageskarte ausgerechnet zu diesen Gedanken bringen würde.
Und genau deshalb mag ich solche Karten.
Nicht als Vorhersage.
Nicht nach dem Motto: „Heute wird genau das und das passieren.“
Sondern als Impuls zur Selbstreflexion.
Eine Karte kann eine Frage öffnen.
Und manchmal begleitet diese Frage uns unbewusst durch den Tag.
Abends schauen wir dann vielleicht noch einmal hin und stellen fest:
Ach, darum hat mich dieser Satz heute Morgen beschäftigt.
Ob die Karte nun tatsächlich etwas „gewusst“ hat?
Das muss ich gar nicht entscheiden.
Viel wichtiger finde ich, was ich durch sie über mich selbst erkannt habe.
Meine Erkenntnis dieses Tages
Für mich war es an diesem Abend ziemlich klar:
Ich darf Menschen lieben, ohne alles für sie tragen zu müssen.
Ich darf helfen, ohne alles zu übernehmen.
Ich darf für jemanden da sein und trotzdem darauf vertrauen, dass dieser Mensch seinen eigenen Weg findet.
Und ich darf mich auch um meinen eigenen Weg kümmern.
Vielleicht ist genau das eine der großen Aufgaben, wenn wir selbst in eine neue Lebensphase kommen.
Nicht mehr überall festhalten.
Nicht mehr für alles verantwortlich sein wollen.
Sondern nach und nach herausfinden:
Was gehört eigentlich zu mir – und was darf ich bei den anderen lassen?
Und vielleicht entsteht genau dort etwas, wonach sich viele von uns sehnen:
mehr Freiheit.
Dein kleiner Tageskarten-Impuls
Wenn du selbst Karten ziehst, probiere beim nächsten Mal etwas aus.
Zieh morgens deine Karte und notiere dir deinen allerersten Gedanken.
Du musst nichts verstehen.
Du musst nichts richtig deuten.
Und du musst auch nichts Besonderes erleben.
Schau am Abend noch einmal auf deine Karte und frage dich:
- Was hat mich heute besonders beschäftigt?
- Welche Situation ist mir im Gedächtnis geblieben?
- Hat die Karte am Abend eine andere Bedeutung für mich als am Morgen?
- Was habe ich heute über mich selbst gelernt?
Vielleicht ergibt deine Karte plötzlich einen Sinn, den du morgens niemals darin gesehen hättest.
Und vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, ob eine Karte die Zukunft kennt.
Vielleicht hilft sie dir vielmehr dabei, dich selbst ein kleines bisschen besser kennenzulernen.
Spürst du selbst, dass sich etwas verändern darf?
Vielleicht stehst auch du gerade an einem Punkt, an dem du merkst:
So wie bisher möchte ich nicht einfach weitermachen. Aber was will ich eigentlich stattdessen?
Genau dafür habe ich meinen Neuanfang-Kompass erstellt. Er soll dir dabei helfen, deine eigenen Wünsche wieder wahrzunehmen und herauszufinden, wo dein persönlicher Neuanfang beginnen könnte.
Hier findest du meinen kostenlosen Neuanfang-Kompass.
Und vielleicht beginnt dein Wandel nicht mit einer riesigen Entscheidung.
Vielleicht beginnt er mit einer einzigen Frage:
Was wünsche ich mir eigentlich für mein eigenes Leben? 🌿
Alles Liebe
Lena
Frauen im Wandel




