Warum esse ich, obwohl ich weiß, dass es mir nicht guttut?

Warum esse ich, obwohl ich weiß, dass es mir nicht guttut?

SERIE: ICH VERÄNDERE MEINE GEWOHNHEITEN – UND NEHME DICH MIT

Warum esse ich, obwohl ich weiß, dass es mir nicht guttut?

 

Teil 1: Ich möchte endlich verstehen, warum Wissen allein nicht reicht

Es gibt ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt.

Und ehrlich gesagt gehört es zu den Dingen, über die man vielleicht nicht besonders gerne spricht.

Ich merke, dass meine Kleidung wieder enger wird.

Ich merke, dass ich zunehme.

Und vor allem merke ich, wie viel Raum das Thema Essen inzwischen in meinem Kopf einnimmt.

Wann esse ich?

Was esse ich?

Habe ich überhaupt Hunger?

Sollte ich jetzt etwas essen – oder lieber noch warten?

Warum habe ich schon wieder Appetit auf etwas Süßes?

Und irgendwann kommt dieser eine Gedanke:

Warum bekomme ich das nicht einfach in den Griff?

Das Verrückte daran ist:

Ich weiß doch, dass ich etwas verändern möchte.

Ich weiß vieles über Ernährung.

Ich weiß, dass Bewegung wichtig ist.

Ich weiß, dass mir manche Dinge nicht guttun.

Und trotzdem esse ich sie.

Also habe ich angefangen, mir eine andere Frage zu stellen:

 

Was, wenn Wissen allein gar nicht reicht?

Denn wenn Wissen reichen würde, müssten wir doch alle nur einmal lesen, was uns guttut – und würden es anschließend genauso machen.

Aber so funktioniert Veränderung offensichtlich nicht.

Wir wissen, dass uns Bewegung guttut – und bleiben trotzdem manchmal auf dem Sofa.

Wir wissen, dass wir früher ins Bett gehen sollten – und machen es trotzdem nicht.

Wir wissen, dass wir uns mehr Zeit für uns nehmen möchten – und stellen unsere eigenen Bedürfnisse wieder hinten an.

Und manchmal wissen wir beim Essen ganz genau:

Eigentlich möchte ich das gerade nicht.

Und trotzdem essen wir.

Warum?

Genau das möchte ich herausfinden.

Nicht nur beim Essen.

Sondern grundsätzlich.

Denn vielleicht liegt genau hier eine der spannendsten Fragen, wenn wir Gewohnheiten verändern wollen:

Warum tun wir immer wieder Dinge, obwohl wir längst wissen, dass sie uns nicht guttun?

 

Ich möchte diesmal nicht wieder mit „Ab morgen“ anfangen

 

Das kenne ich nämlich gut.

Ab morgen esse ich anders.

Ab Montag mache ich wieder mehr.

Jetzt muss ich wirklich konsequent sein.

Diesmal ziehe ich es durch.

Eine Weile funktioniert es vielleicht sogar.

Bis ein anstrengender Tag kommt.

Bis ich müde bin.

Bis ich unterwegs bin.

Bis etwas Süßes vor mir liegt.

Oder bis ich einfach keine Lust mehr habe, ständig darüber nachzudenken.

Und irgendwann stehe ich wieder am selben Punkt.

Dann kommt die Enttäuschung.

Und häufig der nächste Vorsatz:

Morgen mache ich es besser.

Genau diesen Kreislauf möchte ich diesmal nicht einfach wiederholen.

Ich möchte verstehen, warum er überhaupt entsteht.

 

Ich esse irgendwie den ganzen Tag

Als ich angefangen habe, darüber nachzudenken, ist mir etwas aufgefallen.

Ich sage selbst manchmal:

„Ich esse irgendwie den ganzen Tag.“

Hier ein Keks.

Dann einen Kaffee.

Zum Kaffee bekomme ich Appetit auf etwas Süßes.

Später wieder eine Kleinigkeit.

Und irgendwann weiß ich selbst nicht mehr richtig:

Hatte ich eigentlich Hunger?

War das nur Appetit?

War es Gewohnheit?

Oder wollte ich mir gerade einfach etwas Gutes tun?

Vielleicht ist das eine meiner Gewohnheiten.

Vielleicht esse ich manchmal zu wenig bei einer richtigen Mahlzeit und habe deshalb kurz danach wieder Hunger.

Vielleicht spielen bestimmte Situationen eine Rolle.

Vielleicht ist es eine Mischung.

Ich weiß es noch nicht.

Und genau das ist wichtig:

Ich möchte mir nicht vorschnell irgendeine Erklärung geben.

Ich möchte erst einmal hinschauen.

 

Habe ich Hunger – oder möchte ich einfach etwas essen?

Diese Frage möchte ich mir in nächster Zeit häufiger stellen.

Nicht:

„Darf ich das jetzt essen?“

Sondern:

„Was nehme ich gerade wahr?“

Denn „Darf ich?“ bringt mich sofort wieder zu Regeln.

Gut.

Schlecht.

Erlaubt.

Verboten.

Ich möchte stattdessen wieder neugieriger auf meinen eigenen Körper werden.

Wann habe ich zuletzt gegessen?

Habe ich wirklich Hunger?

Wie fühlt sich dieser Hunger an?

Hätte ich jetzt auch Appetit auf eine richtige Mahlzeit?

Oder möchte ich ganz gezielt Schokolade, Kuchen oder einen Keks?

Und selbst wenn die Antwort lautet:

„Ja, ich möchte jetzt einfach Schokolade.“

dann ist das zunächst einmal nur eine Beobachtung.

Keine Bewertung.

 

„Das haben wir uns jetzt verdient.“

Und dann ist mir noch etwas aufgefallen.

Wenn ich etwas erledigt habe oder einen anstrengenden Termin hinter mir habe, sage ich gerne:

„Jetzt gehen wir noch einen Kaffee trinken und essen ein Stück Kuchen. Das haben wir uns verdient.“

Und ich mag diese Momente sehr.

Ich sitze da.

Die Aufgabe ist erledigt.

Ich muss für einen Moment nichts mehr tun.

Ich trinke meinen Kaffee, esse meinen Kuchen – und irgendwann merke ich:

Es fällt etwas von mir ab.

Ich werde ruhiger.

Ich bin zufrieden.

Und plötzlich habe ich mich gefragt:

 

Was ist in diesem Moment eigentlich meine Belohnung?

Ist es wirklich nur der Kuchen?

Oder ist es vielleicht die Pause?

Das Gefühl, etwas geschafft zu haben?

Der Genuss?

Die Freiheit?

Der Moment, in dem gerade niemand etwas von mir möchte?

Vielleicht ist es alles zusammen.

Ich weiß es noch nicht.

Aber allein diese Frage finde ich unglaublich spannend.

 

Und manchmal möchte ich diesen Moment gar nicht beenden

Auch das habe ich bei mir beobachtet.

Wenn ich irgendwo gemütlich sitze, meinen Kaffee trinke und gerade dieses Gefühl von Freiheit und Entspannung habe, möchte ich manchmal gar nicht nach Hause.

Ich möchte diesen Moment noch ein bisschen behalten.

Und daraus ist für mich eine Frage entstanden, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte:

 

Was möchte ich gerade noch nicht beenden – und was möchte ich danach noch nicht beginnen?

Plötzlich geht es gar nicht mehr nur ums Essen.

Es geht um den Moment drumherum.

Was gibt mir diese Situation?

Was endet, wenn ich aufstehe?

Und was beginnt danach wieder?

Ich glaube, genau an solchen Stellen lohnt es sich für mich, genauer hinzuschauen.

Nicht um jeden Kaffee und jedes Stück Kuchen zu analysieren.

Sondern um herauszufinden:

Was brauche ich eigentlich gerade?

 

Nicht jeder Griff zum Essen bedeutet dasselbe

Das möchte ich während dieses Experiments unbedingt im Kopf behalten.

Manchmal habe ich schlicht Hunger.

Punkt.

Manchmal habe ich Appetit.

Manchmal möchte ich genießen.

Manchmal ist etwas vielleicht Gewohnheit.

Vielleicht esse ich manchmal aus Langeweile.

Vielleicht spielt Stress eine Rolle.

Vielleicht möchte ich mich belohnen.

Und möglicherweise spielen manchmal auch Gefühle eine Rolle.

Das weiß ich noch nicht.

Und deshalb möchte ich mir auch nicht einfach das Etikett „emotionales Essen“ geben.

Vielleicht trifft das manchmal zu.

Vielleicht überhaupt nicht.

Vielleicht gibt es bei mir ganz unterschiedliche Gründe.

Genau das möchte ich herausfinden.

 

Eine kleine Situation hat mich schon nachdenklich gemacht

Vor Kurzem hatte ich Hunger.

Ich habe etwas Kleines gegessen.

Und danach habe ich gemerkt:

Ich bin immer noch nicht satt.

Eigentlich hätte ich viel lieber etwas Richtiges gegessen.

Und plötzlich kam mir eine ganz andere Frage:

 

Esse ich manchmal eine Kleinigkeit, obwohl ich eigentlich eine richtige Mahlzeit brauche?

Auch das weiß ich noch nicht.

Aber genau solche Situationen möchte ich künftig wahrnehmen.

Denn vielleicht werfe ich bisher Dinge zusammen, die gar nicht dasselbe sind:

Hunger.

Appetit.

Gewohnheit.

Genuss.

Belohnung.

Langeweile.

Stress.

Gefühle.

Wenn ich lerne, diese Situationen besser auseinanderzuhalten, kann ich vielleicht irgendwann viel gezielter entscheiden, was ich tatsächlich verändern möchte.

 

Mein Experiment beginnt nicht mit einer Diät

Und genau das ist meine Entscheidung.

Ich werde jetzt nicht mit einer neuen Verbotsliste anfangen.

Keine:

„Ab morgen nie wieder …“

Keine:

„Das darf ich jetzt nicht mehr.“

Und auch keine tägliche Bewertung, ob ich „gut“ oder „schlecht“ gegessen habe.

Ich möchte etwas anderes ausprobieren.

 

Drei Tage lang möchte ich erst einmal beobachten.

Wenn ich etwas essen möchte, stelle ich mir – soweit es gerade möglich ist – ein paar Fragen:

Wann habe ich zuletzt gegessen?

Wie stark ist mein Hunger gerade von 0 bis 10?

Was möchte ich gerade essen?

Hätte ich auch Appetit auf eine richtige Mahlzeit?

Was ist unmittelbar vorher passiert?

Wie fühle ich mich gerade?

Was brauche ich vielleicht?

Esse ich gerade bewusst oder einfach nebenbei?

Und danach:

Bin ich satt?

Bin ich zufrieden?

Oder suche ich kurz danach schon wieder nach etwas?

Nicht bewerten.

Nur beobachten.

 

Möchtest du das mit mir ausprobieren?

Vielleicht erkennst du dich in einigen meiner Gedanken wieder.

Deshalb habe ich aus meinen Fragen einen kleinen 3-Tage-Beobachtungsbogen gemacht.

Nicht zum Kalorienzählen.

Nicht zum Abnehmen.

Und nicht um dich drei Tage lang zu kontrollieren.

Sondern einfach, um einmal neugierig zu beobachten:

Wann esse ich eigentlich – und was passiert davor und danach?

Vielleicht entdecken wir dabei etwas, das wir vorher überhaupt nicht gesehen haben.

 

Warum ich daraus eine Serie mache

Während ich angefangen habe, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, habe ich gemerkt:

Das ist nichts, was ich in einem einzigen Blogartikel beantworten kann.

Und ich möchte auch gar nicht so tun, als hätte ich bereits die Lösung.

Deshalb nehme ich dich in den nächsten Wochen einfach mit.

Ich möchte beobachten, ausprobieren, hinterfragen und schauen, was sich tatsächlich verändert.

Vielleicht stelle ich fest, dass manche meiner Vermutungen überhaupt nicht stimmen.

Vielleicht entdecke ich Gewohnheiten, die mir bisher nie aufgefallen sind.

Vielleicht verändert sich etwas.

Vielleicht falle ich wieder in alte Muster zurück.

Auch darüber möchte ich schreiben.

Denn genau das ist für mich Veränderung im echten Leben.

Nicht:

„Hier sind fünf Tipps und ab morgen ist alles anders.“

Sondern:

hinsehen, verstehen, ausprobieren, hinfallen, weitermachen und Stück für Stück herausfinden, was wirklich zu mir passt.

 

Meine Serie: Ich verändere meine Gewohnheiten – und nehme dich mit

Teil 1: Warum esse ich, obwohl ich weiß, dass es mir nicht guttut?

Teil 2: folgt – nachdem ich einige Tage genauer beobachtet habe, was bei mir tatsächlich passiert.

Und genau das finde ich spannend:

Ich weiß heute noch nicht, wie Teil 2 heißen wird.

Denn ich möchte ihn nicht erfinden.

Ich möchte erst erleben, was passiert.

 

Vielleicht beginnt Veränderung mit einer ehrlichen Frage

Ich möchte mich wieder wohler fühlen.

Ich möchte meine Gewohnheiten verändern.

Und ja, ich möchte auch verstehen, warum ich manchmal Dinge tue, von denen ich eigentlich längst weiß, dass sie mir nicht guttun.

Aber vielleicht muss ich dafür nicht noch härter mit mir werden.

Vielleicht muss ich zunächst neugieriger werden.

Denn möglicherweise lautet die entscheidende Frage gar nicht:

„Warum bekomme ich mich nicht endlich in den Griff?“

Sondern:

 

„Warum tue ich, was ich tue – und was brauche ich eigentlich wirklich?“

Das möchte ich herausfinden.

Und ich nehme dich dabei mit.


Hinweis: In dieser Serie teile ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken rund um Gewohnheiten, Selbstreflexion und Wohlbefinden. Ich bin keine Ernährungsberaterin und stelle keine Diagnosen. Die Inhalte ersetzen keine medizinische, ernährungsmedizinische oder psychotherapeutische Beratung. Wenn dich dein Essverhalten, dein Gewicht oder Gedanken rund ums Essen stark belasten oder du körperliche Beschwerden bemerkst, lass diese bitte fachlich abklären.

Das könnte dich auch interessieren

Nach oben scrollen